Nahrung
14.12.2009
1. Studie zum Irritable Bowel Syndrom (Reizdarmsyndrom)
Atkinson W1, T. A. Sheldon 2, N. Shaath 1, P. J. Whorwell 1. Studie zum Irritable Bowel Syndrom (Reizdarmsyndrom). Gut 2004;53:1459–64. 1 Department of Medicine, University Hospital of South Manchester.
2 Department of Health Sciences, University of York, York, UK.
Hintergrund: Patienten mit einem Reizdarmsyndrom (IBS) spüren oft, dass sie eine gewisse Form einer Diätintoleranz haben und darauf häufig mit Eliminationsdiäten (Weglassen bestimmter Lebensmittel) reagieren. Tests, die versuchten, Lebensmittelsensibilitäten beim IBS vorauszusagen, verliefen enttäuschend, aber bisher hat keiner IgG-Antikörper untersucht.
Ziel: Abschätzung des therapeutischen Potentials einer Eliminationsdiät auf das Reizdarmsyndrom, welche Lebensmittel ausschließt, die in einem bestimmten Test (Enzym verbundener Immunosorbant-Test: ELISA-Test) pathologisch erhöhte IgG-Antikörper zeigen.
Patienten: Insbesamt wurden 150 ambulante IBS-Patienten randomisiert.
Sie erhielten über 3 Monate entweder eine Eliminationsdiät, in der alle Lebensmittel ausgeschlossen wurden, für die in dem ELISA-Test pathologisch erhöhte IgG-Antikörper gefunden wurden (echte Diät), oder eine Scheindiät (falsche Diät), bei der die gleiche Anzahl von Lebensmitteln ausgeschlossen wurde, nur dass diese Lebensmittel keine erhöhten IgG-Antikörper hatten.
Methoden: Primäre Zielkriterien waren die "Änderung des Schweregrades der IBS-Symptome" und ein "globaler Wirkungs-Score". Nicht den Dickdarm betreffende Symptome, Lebensqualität sowie Besorgtheit/ Depression waren sekundäre Zielkriterien. Eine "Intention-to-Treat"-Analyse war im biometrischen Auswertungs-Design geplant, bei der ein allgemeines lineares Modell angewendet wurde.
Ergebnisse: Primäre Zielparameter: Nach 12 Wochen zeigte die Patientengruppe mit echter Diät (A) eine um 10 % größere Reduktion im Schweregrad des IBS-Symptomen-Scores im Vergleich zur Patientengruppe mit falscher Diät (B) (mittlerer Unterschied 39 (95 % Vertrauensabstand (CI) 5-72, p = 0.024). Bei den Patienten mit voller Compliance vergrößerte sich dieser Unterschied auf 26% (mittlerer Unterschied 98,(95 % CI 52-144), p < 0.001). Der globale Wirkungs-Score der Änderung durch die Behandlung zeigte im mittleren Ranking (Vergleich der Patientengruppen "echter Diät" versus "Scheindiät") ebenfalls eine signifikante Überlegenheit (70,9 vs 60,3; p = 0.048). Bei alleiniger Einbeziehung der Patienten mit voller Compliance erhöht sich dieser Unterschied (p = 0,001). Alle anderen Ergebnisse zeigten Trends zugunsten der echten Diätgruppe.
Explorative Zielparameter: Nach der Studie stimmten von den 131 Patienten, die in den 12 Wochen zuvor Daten geliefert hatten, 93 Patienten einem Follow-up mit einer Aufhebung der Eliminationsdiät unter Fortführung der ursprünglichen Basis-Diät zu. Der mittlere Schweregrad des IBS-Symptomen-Scores verschlechterte sich daraufhin verstärkt und signifikant zuungunsten der echten Diätgruppe im Vergleich zur Scheindiätgruppe (mittlerer Unterschied 52 (95% CI 18–88; p = 0.003). Dies zeigt eine Umkehr des Verhaltensprofils "echte Diät" versus "Scheindiät" nach jeweiliger Rückkehr zur Ursprungsdiät.
Fazit: Eine Eliminationsdiät, die Lebensmittel mit pathologisch erhöhten IgG-Antikörpern ausschließt, zeigt im Vergleich zu einer Scheindiät in den klinisch relevanten Zielparametern "Änderung des Schweregrades der IBS-Symptome" und "globaler Wirkungs-Score" statistisch signifikante und klinisch relevante Wirksamkeit.
Weitere konfirmatorische Studien sind erforderlich, um diesen Wirksamkeitsbeleg ergänzend zu bestätigen.



